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Geschichte

Schwarzes Bergschaf
Schwarzes Bergschaf

Die heutigen Bergschaftypen stammen alle vom Steinschaf ab, das in den heutigen bayerischen Stammzuchtgebieten früher dominierte. Die Vliese der damaligen Schafe waren weiß, braunmeliert und auch tiefschwarz. Die schwarze Wolle war begehrt, da sich daraus dunkle Loden- und Wollstoffe ohne aufwändige Färbeverfahren herstellen ließen. Die damalige Werktags- und auch die Festtagsmode bzw. Tracht verlangte nach diesen robusten kräftigen schwarzen Stoffen, die ein halbes Menschenleben halten mussten.

Betrachtet man Gemälde und Fotografien vor Ausbruch des 2. Weltkrieges so wird deutlich, dass die tiefschwarzen Bergschafe ca. 10 bis 20 Prozent des damaligen Schafbestandes im oberbayerischen Alpenraum ausmachten.

1939 setzte nun im Deutschen Reich eine sogenannte Rassebereinigung im Sinne des damaligen Rassenwahnes ein. Deren Ziel war es die Wollqualität und die Körpermasse des bisherigen Bergschafes durch Einkreuzung südalpiner Bergamaskerschafe und Merinoschafe zu steigern. Die eingekreuzten Schafböcke waren reinweiß. Mit staatlicher Förderung setzte nun eine Verdrängungszucht aller nichtweißen Vliesfarben ein. Dies war auch im Sinne der Wollindustrie, welche weiße Wolle bevorzugte. Diese ließ sich chemisch in alle Farbtöne einfärben. Fortan waren alle pigmentierten Schafe züchterisch uninteressant und wurden praktisch ausgerottet. Mit dem Krieg wurde auch die bäuerliche Wollverarbeitung  mehr und mehr eingestellt. Farbige Vliese wurden bei den Wollsammelstellen nur noch schlecht bezahlt.

Die Zuchtarbeit konzentrierte sich nach dem 2. Weltkrieg ausschließlich auf das nun "Weiße Deutsche Bergschaf". In den 1970er Jahren wurde die Zucht des "Braunen Bergschafes" wiederbelebt und 1977 als Rasse anerkannt.  Engagierte Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Braunes Bergschaf erbarmten sich ab dem Jahr 2000 den letzten immer noch durchschlagenden "schwarzen Genen". Seither wird das "Stiefkind" unserer Bergschafrassen erfolgreich züchterisch bearbeitet. 2003 wurde die Anerkennung als eigene Rasse im Bayerischen Herdbuch ausgesprochen. Seither kümmern sich einige Züchte und mehrere Schafhalter mit Freude und Fleiss um die züchterische Weiterentwicklung dieser urbayrischen Hochgebirgsschafrasse. 

Im Jahr 2009 wies das bayerische Herdbuch lediglich 4 gekörte Schwarze Bergschafböcke  und 134 aufgenommene Muttertiere auf. Diese Bestandszahlen beweisen, daß die Schwarzen Bergschafe unter den Hochgebirgsrassen sehr gefährdet sind. Nach FAO-Einstufung gilt eine Rasse als (critical)endangered, d.h. akut vom Aussterben bedroht, wenn diese Bestandszahlen erreicht sind. Daher wurde das Schwarze Bergschaf von der GEH auf die "Rote Liste vom Aussterben bedrohter Haustierrassen gesetzt.

Zur Situation in unseren alpinen Nachbarländern:

In Österreich galten früher Schwarze Bergschafe als Farbschlag des Braunen Bergschafes, sind jedoch seit dem Jahr 2000 von der Herdbuchzucht ausgeschlossen. In Italien bilden um Vinschgau und Ulten Schwarze und Braune Bergschafe eine gemeinsame Herdbuchrasse. In der Schweiz gelten Schwarze Bergschafe als Variante des Engadiner Schafes im Herdbuch.